Warum Reis nicht hilft
Der Reisbeutel hält sich als Tipp, weil das Handy danach manchmal wieder geht. Es wäre in derselben Zeit auch auf dem Küchentisch getrocknet.
Reis nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf, die ihn umgibt. Das Wasser, das den Schaden anrichtet, sitzt aber innen: auf der Platine, unter den Abschirmblechen, zwischen den Kontakten der Stecker. Dort kommt der Reis nicht hin. An die Öffnungen dagegen schon – Stärkestaub und Bruchstücke von Körnern setzen sich in Ladebuchse, Lautsprechergitter und Mikrofonöffnungen und kleben dort mit der Feuchtigkeit fest.
Der größere Schaden ist die Zeit. Wer das Handy zwei oder drei Tage im Reis liegen lässt, wartet meist genauso lange mit der Frage, ob es geöffnet werden muss – und nach Salzwasser, Chlor oder einem Getränk arbeitet die Korrosion in diesen Tagen ungestört weiter. Auch Apple rät inzwischen ausdrücklich davon ab, ein nasses iPhone in Reis zu legen.
Besser: ein trockener Raum, Zimmertemperatur, leichter Luftzug, etwa von einem Ventilator ohne Heizstufe.
Warum kein Föhn und kein Ladekabel
Wärme klingt nach schnellem Trocknen. Im Handy macht sie vor allem Schaden.
Der Kleber, der Display und Rückseite abdichtet, wird weich. Der Akku wird warm, und Lithium-Ionen-Akkus vertragen Hitze schlecht. Die Korrosion läuft schneller, weil chemische Reaktionen mit der Temperatur zulegen. Und Heißluft treibt Feuchtigkeit eher tiefer ins Gerät, als dass sie sie herausholt. Für Heizung, Backofen, Mikrowelle und pralle Sonne gilt dasselbe.
Beim Laden liegt Spannung an der Buchse, und zwar zwischen Kontakten, die nur Bruchteile eines Millimeters auseinanderliegen. Steht dazwischen Wasser mit gelösten Salzen, fließt Strom, wo keiner fließen soll, und das Metall der Kontakte löst sich nach und nach auf. Unter dem Mikroskop sieht eine solche Buchse schwarz oder grünlich aus; die Bauteile dahinter, die das Laden steuern, können gleich mit ausfallen. Kabelloses Laden ist keine Ausnahme – auch dann arbeitet die Ladeelektronik auf der nassen Platine.
Bitte auch nichts hineinstecken. Druckluft aus der Dose treibt Wasser tiefer hinein, Wattestäbchen und Zahnstocher verbiegen Kontakte oder lassen Fasern zurück. Lädt das Handy nach dem Trocknen nicht mehr zuverlässig, ist häufig die Buchse betroffen – dann hilft eine Reparatur der Ladebuchse.
Salzwasser, Pool, Toilette, Getränke: was anders ist
Klares Leitungswasser ist der harmloseste Fall. Ganz sauber ist aber auch das nicht: Kalk und Mineralien bleiben nach dem Trocknen zurück. Alles andere hinterlässt mehr.
- Meerwasser
- Salz leitet Strom sehr gut und greift Metall schnell an; nach dem Meer zählt jeder Tag. Wischen Sie das Gehäuse mit einem feuchten Tuch ab, damit kein Salz in Gittern und Buchse antrocknet. Unter den laufenden Wasserhahn halten sollten Sie es nicht: Ob die Dichtung nach dem Bad noch hält, sieht man von außen nicht.
- Pool, Dusche, Badewanne
- Chlor greift Metall an. Seife, Duschgel und Badezusätze senken die Oberflächenspannung des Wassers – es kriecht dann durch Dichtungen und Membranen, die klares Wasser noch abhalten würden. Duschen, Sauna und Dampfbad nehmen die Hersteller vom Wasserschutz in der Regel ausdrücklich aus.
- Toilette
- Urin, WC-Reiniger und Kalk hinterlassen Salze, ähnlich wie Meerwasser. Ziehen Sie Handschuhe an, wenn welche griffbereit sind, und wischen Sie das Gehäuse gründlich ab. Öffnen und reinigen lassen sollten Sie es auch dann, wenn es noch läuft.
- Kaffee, Cola, Saft, Bier
- Zucker und Säure. Nach dem Trocknen bleibt ein klebriger Film, der Tasten und Lautsprecher verklebt und Feuchtigkeit aus der Luft bindet.
Es geht wieder – und jetzt?
Viele Handys laufen nach dem Trocknen zunächst normal. Das ist ein gutes Zeichen, aber keine Entwarnung: Das Wasser verdunstet, was darin gelöst war, bleibt auf der Platine.
- Im WasserWasser erreicht Platine und Stecker. Liegt Spannung an, beginnt die Korrosion sofort.
- GetrocknetDas Wasser ist weg. Zurück bleibt ein dünner Film aus Salz, Kalk oder Zucker zwischen den Kontakten.
- Die Tage danachDie Rückstände ziehen Feuchtigkeit aus der Raumluft. An Steckern und kleinen Bauteilen wächst grünlicher oder weißer Belag.
- SpäterEin Teil nach dem anderen fällt aus, oft zuerst Ton, Mikrofon oder Ladebuchse. Irgendwann startet das Handy nicht mehr.
Deshalb raten wir nach allem außer einem kurzen Bad in klarem Wasser zu einer Reinigung, auch wenn das Handy läuft. In der Werkstatt öffnen wir es, trennen als Erstes den Akku und sehen unter dem Mikroskop nach, wo Rückstände sitzen – oft unter Abschirmblechen und Steckern, wo man mit bloßem Auge nichts erkennt. Was dort entfernt wird, bevor es korrodiert, muss später nicht ausgelötet werden. Wie das abläuft und was es kostet: Handy-Wasserschaden reparieren lassen.
„Flüssigkeit entdeckt“: was die Meldung am iPhone bedeutet
Ab dem iPhone XS und XR prüft das iPhone, ob Feuchtigkeit in der Ladebuchse ist, sobald ein Kabel oder Zubehör darin steckt.
Findet es welche, erscheint „Laden nicht möglich“ oder „Flüssigkeit entdeckt“, je nach Modell mit dem Zusatz „im Lightning Connector“ oder „im USB-C-Anschluss“. Das iPhone lädt dann nicht über die Buchse – genau das schützt die Kontakte. Die Meldung sagt allerdings nur, dass zwischen den Kontakten der Buchse etwas leitet. Ob Wasser ins Innere gekommen ist, kann das iPhone daraus nicht erkennen.
Apple empfiehlt, das Kabel abzuziehen, das iPhone mit der Buchse nach unten leicht gegen die Hand zu klopfen und es an einem trockenen Ort mit etwas Luftzug liegen zu lassen. Frühestens nach 30 Minuten wieder anschließen; bis die Buchse ganz trocken ist, kann es bis zu einem Tag dauern. Die Warnung lässt sich im Notfall übergehen. Tun Sie das nur, wenn Sie das Telefon wirklich sofort brauchen. Apple nennt außerdem kabelloses Laden als Ausweg, wenn die Rückseite trocken ist – das gilt für eine nasse Buchse, etwa nach Regen, nicht für ein Handy, das ganz im Wasser lag.
Kommt die Meldung nach einem Tag immer noch, obwohl das iPhone längst trocken ist, halten oft Fusseln oder Belag in der Buchse die Feuchtigkeit. Dann hilft eine Reinigung oder ein Tausch der Ladebuchse. Samsung warnt bei vielen Galaxy-Modellen ähnlich; das Vorgehen ist dasselbe.
Wann das Handy in die Werkstatt gehört
Nicht jedes nasse Handy muss geöffnet werden. Diese Unterscheidung hilft.
Bringen oder schicken Sie es ein, wenn …
- es in Salzwasser, Chlor- oder Seifenwasser, der Toilette oder einem Getränk war – auch wenn es noch läuft,
- es eingeschaltet länger unter Wasser lag,
- Glas oder Rückseite schon vorher einen Riss hatten oder das Handy schon einmal geöffnet wurde,
- es nicht mehr startet, von selbst neu startet oder warm wird,
- das Display Flecken oder Streifen zeigt oder der Touchscreen von selbst tippt,
- die Kamera von innen beschlägt oder der Ton nach dem Trocknen dumpf bleibt,
- die Feuchtigkeitsmeldung am Anschluss nach einem Tag noch erscheint.
Abwarten ist vertretbar, wenn …
- es nur Spritzer oder ein kurzes Eintauchen in klares Leitungswasser waren,
- das Handy laut Hersteller wassergeschützt ist, keine Risse hat und nie geöffnet wurde,
- es nach dem Trocknen normal lädt, klingt und fotografiert.
Sichern Sie trotzdem gleich Ihre Daten und achten Sie in den nächsten Wochen auf Ton, Laden und Akkulaufzeit.
Ihre Daten: sichern, solange es läuft
Wenn das Handy wieder läuft
Dann ist jetzt der Moment für eine Sicherung – heute, nicht nächste Woche. Korrosion kündigt sich nicht an; ein Handy, das heute startet, kann in ein paar Tagen schwarz bleiben. Sichern Sie über WLAN in die iCloud oder das Google-Konto, oder übertragen Sie Fotos drahtlos auf den Rechner. Kein Kabel an die Buchse, solange Sie nicht sicher sind, dass sie trocken ist. Schritt für Schritt: Daten sichern vor der Reparatur.
Wenn es nicht mehr angeht
Dann sind die Daten nicht automatisch verloren. Sie liegen auf dem Speicherchip der Platine, und der ist gut gekapselt. Ausgefallen ist oft etwas drumherum: ein Bauteil der Stromversorgung, ein Filter, ein Stecker.
Bei iPhones und vielen aktuellen Android-Handys ist der Speicher verschlüsselt und an den Prozessor der eigenen Platine gebunden. Den Chip auszulöten und anderswo auszulesen, funktioniert dort nicht. Die Platine selbst muss wieder so weit laufen, dass sich die Daten sichern lassen: Korrosion entfernen, defekte Bauteile unter dem Mikroskop ersetzen, dann auslesen. Zusagen kann das vorher niemand; nach der Diagnose wissen Sie, wie die Aussichten stehen. Mehr dazu unter Datenrettung nach Wasserschaden und iPhone-Datenrettung.