Kabel und Netzteil tauschen
Fangen Sie beim günstigsten Teil an. Ladekabel werden geknickt, in Autotüren eingeklemmt und am Kabel statt am Stecker aus der Steckdose gezogen. Die feinen Litzen brechen dann meist direkt hinter dem Knickschutz – von außen sieht man davon nichts.
Probieren Sie ein anderes Kabel und ein anderes Netzteil, am besten beides aus einem Satz, der an einem anderen Handy gerade funktioniert. Stecken Sie das Netzteil in eine Wandsteckdose: USB-Anschlüsse am Laptop, im Auto oder an Steckdosenleisten liefern oft nur wenig Strom. Das Handy lädt dann im Schneckentempo oder, wenn es nebenher benutzt wird, gar nicht.
Nehmen Sie auch die Hülle ab. Bei manchen Hüllen ist die Öffnung unten so eng, dass ein Stecker mit dickem Knickschutz nicht ganz hineingeht. Das steckt oft dahinter, wenn ein Handy nur mit einem bestimmten Kabel lädt.
Beim Ersatz lohnt sich ordentliche Ware. Netzteile ohne Herstellerangabe und CE-Zeichen halten die Spannung oft nicht sauber, und Spannungsspitzen können die Ladeelektronik im Handy beschädigen (Schritt 7). Am iPhone macht sich ein ungeeignetes Kabel häufig mit dem Hinweis bemerkbar, das Zubehör werde möglicherweise nicht unterstützt.
Kabellos laden als Gegenprobe
Kann Ihr Handy kabellos laden, legen Sie es auf ein Ladepad. Das können alle iPhones ab dem iPhone 8 und viele Oberklasse-Modelle von Samsung, Google und anderen. Die Probe umgeht die Buchse vollständig und sagt deshalb viel.
Kabellos ja, am Kabel nein
Die Buchse ist verdächtig
Akku und Ladeelektronik arbeiten, sonst würde das Handy auf dem Pad nicht laden. Weiter mit Schritt 3.
Kein Ladepad im Haus? Viele neuere Samsung- und Pixel-Handys können über ihre Rückseite ein anderes Handy laden, das reicht für den Test. Und lädt Ihr Handy kabellos, können Sie es so weiter benutzen, bis die Buchse repariert ist.
Die Buchse ansehen – mit Licht, ohne Metall
In jeder Hosen- und Jackentasche sammeln sich Fusseln, und die Ladebuchse ist die Öffnung, in die sie am besten hineinpassen. Jedes Mal, wenn Sie das Kabel einstecken, drückt der Stecker sie ein Stück fester an den Boden.
Mit der Zeit entsteht dort eine Schicht wie Filz, und der Stecker geht nicht mehr ganz hinein. Er rastet nicht mehr spürbar ein, wackelt und lädt nur noch, wenn er in eine bestimmte Richtung gedrückt wird. Die Zeichnung oben zeigt, wie das im Schnitt aussieht.
Schalten Sie das Handy aus und leuchten Sie mit einer Taschenlampe schräg in die Buchse. Graue oder dunkle Fasern am Boden sind Fusseln. Grünliche, weiße oder schwarze Krusten an den Kontakten sind Korrosion; sie kommt von Feuchtigkeit, auch von Schweiß oder Regen in der Jackentasche.
Selbst reinigen – wenn, dann so
Lose Fusseln können Sie vorsichtig selbst herausholen: mit einem Zahnstocher aus Holz oder Kunststoff, dessen Spitze Sie etwas flach gedrückt haben. Fahren Sie damit am Boden der Buchse entlang und ziehen Sie die Fasern nach vorn heraus, ohne Druck auf die Kontakte. Bei USB-C sitzt in der Mitte eine dünne Kontaktzunge. Arbeiten Sie um sie herum und hebeln Sie nie daran – bricht sie ab, muss die Buchse getauscht werden.
Lieber nicht
Nadeln, Büroklammern oder das SIM-Werkzeug verkratzen die Kontakte und können sie kurzschließen. Druckluft aus der Dose drückt den Filz eher tiefer hinein, und schräg gehalten kommt das Treibmittel als eiskalte Flüssigkeit heraus. Auch Kontaktspray und andere Flüssigkeiten lassen Sie besser weg: Sie laufen an der Buchse vorbei auf die Platine.
Sitzt der Filz fest wie Pappe, sind Krusten zu sehen oder lädt das Handy nach der Reinigung immer noch nur schräg, gehört die Buchse unter das Mikroskop. Oft reicht eine gründliche Reinigung. Sind die Kontakte angefressen oder die Lötstellen gerissen, etwa nach einem Sturz mit gestecktem Kabel, setzen wir eine neue Buchse ein.
Feuchtigkeitswarnung bei iPhone und Samsung
Neuere iPhones und Samsung-Handys prüfen die Buchse, bevor sie Strom darauf geben. Finden sie Feuchtigkeit, sperren sie das Laden per Kabel.
Das iPhone meldet dann, dass im Anschluss Flüssigkeit erkannt wurde, Samsung zeigt einen Wassertropfen und den Hinweis „Feuchtigkeit erkannt“. Die Sperre hat einen guten Grund: Liegt Spannung an nassen Kontakten, korrodieren sie schnell. Unter dem Mikroskop sieht man danach schwarze oder grünliche Beläge, und die Buchse lädt auch trocken nicht mehr zuverlässig.
Wenn nur die Buchse nass geworden ist
Kabel ab, das Handy mit der Buchse nach unten halten und ein paarmal leicht gegen die Handfläche klopfen. Dann an einem trockenen Ort mit etwas Luftzug liegen lassen. Apple nennt mindestens eine halbe Stunde, bis zu einem Tag kann es dauern. Kein Föhn, keine Heizung, kein Reis und nichts in die Buchse stecken. Das iPhone bietet an, die Sperre im Notfall zu übergehen; nutzen Sie das nur, wenn es nicht anders geht.
War das Handy ganz im Wasser, laden Sie es gar nicht, auch nicht kabellos. Was dann zu tun ist, steht im Ratgeber Handy ins Wasser gefallen.
Wenn die Warnung bleibt, obwohl alles trocken ist
Das Handy misst zwischen bestimmten Kontakten der Buchse den Widerstand. Wasser verändert ihn, aber ebenso feuchte Fusseln, Reste von Schweiß oder Limo und vor allem Korrosion. Deshalb kommt die Meldung manchmal noch Tage nach dem Regenschauer oder ganz ohne erkennbaren Anlass. Ein Neustart schadet nicht, manchmal verschwindet sie damit.
Hält sie sich, liegt es meist an der Buchse: Wir reinigen sie unter dem Mikroskop, und sind die Kontakte angegriffen, tauschen wir sie. War Wasser im Gerät, ist die Buchse selten das einzige Problem – dann ist Handy-Wasserschaden die richtige Seite.
Neustart und Tiefentladung
Manchmal hängt nur die Software, die das Laden steuert, etwa nach einem Update. Ein erzwungener Neustart kostet nichts.
Beim iPhone ab dem iPhone 8 drücken Sie kurz Lauter, kurz Leiser und halten dann die Seitentaste, bis das Apple-Logo erscheint. Bei Samsung halten Sie Seitentaste und Leiser gemeinsam gedrückt, bis das Handy neu startet, meist gut sieben Sekunden.
Anders ist es, wenn das Handy wochenlang leer in der Schublade lag. Dann ist der Akku tiefentladen, und seine Schutzschaltung lässt anfangs nur einen kleinen Strom durch. Das Display bleibt eine ganze Weile schwarz; beim iPhone erscheint nach einigen Minuten eine fast leere Batterie mit schmalem rotem Streifen. Zeigt es stattdessen eine Batterie mit Ladekabel darunter, kommt kein Strom an – dann sind Sie wieder bei Schritt 1 und Schritt 3. Lassen Sie das Handy mindestens eine Stunde am Netzteil in der Wandsteckdose, bevor Sie aufgeben. Tut sich dann nichts, ist der Akku womöglich zu tief entladen, um sich zu erholen – oder der Fehler sitzt doch woanders.
Verschlissener Akku
Ein Lithium-Ionen-Akku verliert mit jedem Ladezyklus etwas Kapazität. Nach zwei, drei Jahren täglichen Ladens merkt man das.
Die Prozentanzeige springt, das Handy geht bei 20 oder 30 % einfach aus, oder es ist verdächtig schnell voll und am Nachmittag wieder leer. Das fühlt sich an wie ein Ladeproblem, ist aber ein müder Akku.
Beim iPhone steht der Zustand unter Einstellungen › Batterie › Batteriezustand. Liegt die maximale Kapazität deutlich unter 80 %, spürt man das im Alltag; was die Werte dort bedeuten, erklärt ein eigener Ratgeber. Bei Samsung finden Sie eine Prüfung in der App Samsung Members unter Diagnose. Andere Android-Handys zeigen den Zustand je nach Hersteller in den Akku-Einstellungen oder gar nicht.
Zwei Einstellungen werden gern mit einem Defekt verwechselt. Mit „Optimiertes Laden der Batterie“ hält das iPhone die Ladung nachts eine Weile bei 80 % an, neuere iPhones lassen sich außerdem fest auf 80 % begrenzen. Samsung hat mit dem Akkuschutz eine ähnliche Grenze. Bleibt die Anzeige genau dort stehen, ist alles in Ordnung.
Wölbt sich das Display oder hebt sich die Rückseite, laden Sie das Handy nicht mehr: Dann bläht sich der Akku auf – was bei einem aufgeblähten Akku zu tun ist. Einen neuen Akku setzen wir mit neuer Klebedichtung ein; die Festpreise stehen unter Handy-Akku-Tausch und iPhone-Akku-Tausch.
Ladechip auf der Platine
Sind Kabel, Netzteil, Buchse und Akku in Ordnung und das Handy lädt trotzdem nicht, sitzt der Fehler auf der Hauptplatine.
Zwischen Buchse und Akku liegen dort Chips, die mit dem Netzteil die Leistung aushandeln und den Strom in den Akku regeln. Sie gehen durch Spannungsspitzen minderwertiger Netzteile kaputt, durch einen Kurzschluss in einer nassen Buchse oder nach einem Sturz, wenn unter einem Chip Lötstellen reißen.
Typisch ist, dass das Handy weder am Kabel noch kabellos lädt. Manchmal erscheint das Ladesymbol, aber die Prozente steigen nicht, oder das Handy wird am Netzteil warm, ohne dass etwas passiert. Und manche Handys zeigen an, dass sie laden, obwohl gar kein Kabel steckt.
Zu Hause lässt sich das nicht beheben. In der Werkstatt messen wir mit einem USB-Messgerät, wie viel Strom das Handy überhaupt aufnimmt, und prüfen die Ladeschaltung unter dem Mikroskop. Ist ein Chip defekt, löten wir ihn aus und setzen einen neuen ein.